Es ist wieder passiert. Ich bin über einen Dualseelen-Blog gestolpert.

In 10 Sekunden war mein Puls von 0 auf 180 – ich kann es nicht glauben, dass immer noch so viel Mist verbreitet wird.

Grob zusammengefasst stand dort zur Abwechslung:

du musst dein Ego auslöschen

du musst dich heilen, damit er heilt

du musst deine Aufgaben machen

du musst dich zwingen, deine Gedanken (an ihn) zu kontrollieren

du musst, damit er…

du musst…

du musst…

Hört das denn nie auf?

Was sollen wir noch alles müssen und wer bestimmt das überhaupt?

Ich bin selbst oft genug in die „Muss-Falle“ getappt – aber ich bin müde davon und inzwischen ziemlich zügig gereizt, wenn ich in irgendeiner Form ein Muss vor die Nase gehalten kriege.

In meiner Kindheit musste ich brav sein, angepasst, leise und sollte am besten keine eigene Meinung haben. Mir wurden die Kinder vorgesetzt, die nach der Meinung anderer die für mich besten Spielgefährten waren. Waren sie natürlich nicht.

In der Schulzeit musste ich mich mit Informationen beschäftigen, die mich nicht die Bohne interessierten, nett zu gähnend langweiligen Mitschülern und Lehrern sein, in eine Schule gehen, die den Vergleich mit einem Gefängnis nicht zu scheuen brauchte. Ich musste Hänseleien ertragen – auch für die Affenschaukel-Frisur, die meine Haare verunstaltete.

Ich musste eine Ausbildung machen, die meine Mom für mich aussuchte – „solange du deine Füße unter meinen Tisch…“ – meine eigenen Berufswünsche musste ich mir verkneifen.

In der Liebe meinte ich, kämpfen zu müssen, und war nicht selten die Einzige.

Ich musste Dinge erleben, die ich meinem (gerade nicht vorhandenen) schlimmsten Feind nicht wünschen würde.

So vieles wird uns im Laufe des Lebens unter einem „heiligen“ Deckmantel verkauft.

Du musst dies, weil es dir später helfen wird, du musst das, weil man es eben so macht. Du musst lauter werden, weil du sonst nicht gehört wirst, du musst nahbarer werden, damit man dich sehen kann, du musst diese Strategie lernen, damit du erfolgreicher wirst, du musst jenes Buch lesen, damit das mit dir überhaupt noch was wird, du musst auf dem neuesten Stand sein, weil du sonst auf dem Mond lebst. Du musst verzeihen, auch wenn du dich noch tief verletzt und gedemütigt fühlst. Du musst Verständnis haben, die anderen können es ja nicht besser. Du musst dein Ego auslöschen, du musst funktionieren, du musst dich anstrengen, du musst dich zusammenreißen und gleichzeitig Gas geben, du musst immer eine Meinung haben  – was du alles müssen musst!

Heilige Scheisse, ich kapituliere!

Ich will einfach ich sein. Ich will lernen, wenn ich lernen will.

Ich will mich nicht verstellen. Ich will sagen, was ich denke.

Ich will offen und damit auch verletzlich sein, aber ich will keine Grenzüberschreitung zulassen.

Ich will mich heute scheiße und morgen gut fühlen können – ohne schlaue Psychosprüche, was mit mir wohl nicht stimmt.

Ich will meinen Körper unterstützen, so gut ich kann – aber ich will mir nicht mehr erzählen lassen, was mit ihm nach „Experten“meinung falsch ist.

Ich will ungeschminkt aus dem Haus gehen, wenn mir danach ist. Wimperntusche, die mir bei 30 Grad die Tränen in die Augen treibt, sobald ich mir diese reibe, braucht doch kein Mensch.

Ich will mich auch nicht mehr vergleichen. Weder mit anderen, noch mit mir selbst. Dachte ich die Tage doch glatt „So gute Blogartikel wie die, die ich vor Monaten schrieb, krieg ich gar nicht mehr hin.“ Hallo? Manchmal ist vielleicht einfach auch alles gesagt, was es zu sagen gab. Das Rad lässt sich nicht ständig neu erfinden!

Ich will keine tausend Kurse mehr besuchen, um noch besser zu werden. Das Leben schenkt mir genügend Erfahrungen, um daraus immer wieder neu das Beste zu machen.

Ich will mich nicht verbiegen, ich will ich sein. Ich will mich nicht dafür entschuldigen, dass ich bin, wie ich bin. Ich entschuldige mich dann, wenn ich wirklichen Mist baue.

Ich will meine Zeit mit den Menschen verbringen, die wissen, was Respekt, Ehrlichkeit, Wertschätzung und Achtung ist – und auch mit denen, die wissen, was eine echte Freundschaft ausmacht.

Ich will „ich will“ sagen und denken und genauso oft fluchen, solange mir danach ist – ich brauche keine Zurechtweisungen, welche Formulierungen ich zu nutzen habe, weil das Universum oder mein Geist alles andere angeblich nicht oder miß-versteht.

Ich liebe Dinge, Situationen, Orte, Worte, Menschen – überhaupt alles – dann, wenn ich es will.

Niemand geht in meinen Schuhen. Ist auch schwierig, fällt mir gerade ein, ich gehe oft barfuß. 😉

Aber niemand weiß, wohin meine Füße laufen wollen – und wie.

Meine Seele ist die Instanz, die weiß, was wirklich gut für mich ist. Und sie ist es, die mir auch zeigt, was richtig scheiße ist – damit ich es unterscheiden und wählen kann.

Ich habe wieder neu gewählt – meine Freiheit, meine Unabhängigkeit, meine Echtheit.

Alles, was zu starr ist und über mich bestimmen will, alles, was ich aushalten soll ohne jemals gefragt worden zu sein, ob das zu mir passt, kann bleiben wo der Pfeffer wächst.

Müssen musste ich zu lange. Jetzt ist Schluss.

Ich kann nicht immer (gleich) können, wie ich wollen würde. Aber auch das gehört dazu.

Du hast das Recht, dir Hilfe zu holen. Und das Recht, zu wählen, welche zu dir passt. Du hast das Recht auf deine Gefühle, so wie sie jetzt gerade sind. Du hast das Recht, es dir leichter zu machen. Du hast das Recht, aus Zwängen und Vorschriften auszusteigen, wenn sie dir zu eng sind oder dir schaden. Du hast das Recht, Dinge, Konzepte und Menschen zu hinterfragen! Du hast das Recht, DEIN Ding zu machen und DU zu sein!

Das Leben ist individuell. Und dein Seelenweg auch!

Die Entscheiderei hört wohl nie auf. Aber sie ist jedes Mal ein neuer Anfang!

~Rebekka Gutmayer~

P.S.: Die Lösung für die Affenschaukel war übrigens simpel. Ein ungeplanter Frisörbesuch brachte die Befreiung. 😉

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